Heute schon vertraut?

„Ich traue niemandem.“ … „Ich glaube nur, was ich sehe.“ … „Nichts ist sicher.“ - Sätze, wie man sie jeden Tag hört. Besonders, wenn man jemandem erzählt, dass man nicht nur an Gott glaubt, sondern sogar noch auf ihn vertraut.

Wie sieht es denn mit unserem Vertrauen aus? Vertrauen wir z. B. einem Menschen nur dann, wenn wir ihn persönlich kennen? Nein, denn sonst würde doch keiner in Zug oder Bahn einsteigen oder jemandem die Kredit- oder EC-Karte beim Bezahlen in die Hand drücken. Vertrauen wir nur Menschen, die wir sehen können? Wenn es so wäre, würde niemand mehr – selbst nicht bei Grün – über eine Kreuzung fahren, die nicht weit überschaubar ist. Und niemand würde mehr ruhig in seinen vier Wänden schlafen. Schließlich könnte der Gasinstallateur geschlampt haben, oder der Elektriker – oder gar der Statiker. Wir würden in keinen Aufzug mehr steigen, denn der könnte stecken bleiben, weil ihn keiner sorgfältig gewartet hat. Wir würden keine Medikamente mehr kaufen – wer weiß, ob wirklich die richtigen Zutaten zusammengemischt wurden. Und können wir den Menschen vertrauen, die wir kennen? Schließlich liest man immer wieder von Familientragödien, Amokläufern, die nach der Entlassung ihre ganze Abteilung auslöschen, gedemütigten Schülern, die ihre Klassenkameraden töten …

Wer von sich behauptet, niemandem zu trauen oder nichts zu glauben, was er nicht sieht, der lügt oder hat zumindest nicht nachgedacht. Wir verlassen uns vierundzwanzig Stunden lang, sieben Tage in der Woche auf alle möglichen Dinge und Menschen.

Nur auf Gott wollen die meisten Menschen nicht vertrauen. Warum? Weil sie ihn nicht persönlich kennen? Weil sie ihn nicht sehen können? Weil er ihrer Meinung nach noch nie etwas für sie getan hat? Oder weil er gar nicht existiert?

Ich denke, wenn wir uns wirklich bewusst vor Augen halten würden, wem oder was alles wir Tag für Tag vertrauen, würden wir feststellen, dass die meisten Menschen nach dem Prinzip „bloß nicht drüber nachdenken“ ihr Leben bestenfalls in Zweckoptimismus meistern. Aber würden wir diese Gedanken weiterverfolgen und sehen, dass eben doch nicht Murphys Gesetz greift, nachdem alles, was schiefgehen kann, auch tatsächlich schiefgeht und von mehreren Lösungswegen immer der gewählt wird, der in die Hose geht, müssten wir uns fragen, weshalb eigentlich nicht? Dann müsste wir uns auch fragen, warum das Böse auf dieser Welt nicht schon längst gesiegt hat, denn schließlich siegt doch immer der Stärkere (und Rücksichtslosere), oder?

Warum gibt es immer noch Hoffnung, Vertrauen und Liebe auf dieser Erde, obwohl jeder Mensch in jeder Generation schon zigmal enttäuscht und verletzt wurde und gleichermaßen andere enttäuscht und verletzt?

Wer’s nicht weiß, sollte vielleicht mal drüber nachdenken.

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